Und so beginnt es

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Vom Whistleblower zur „Hexenjagd": Brian Karem, Reporter des Weißen Hauses, schaltet sich ein
Während sich die Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, davor fürchtete, was aus dem, was getan werden musste, werden könnte, ließ sie die Krake am Dienstagabend frei und die Katze aus dem Sack.

Anstelle des legendären Kopffüßer-Meerestieres bestand diese Krake aus einem Wort, das die Demokraten und Republikaner gleichermaßen fürchten: „Amtsenthebungsermittlung".

Nach Präsident Donald Trumps letztem Vorstoß in die schmutzige Politik hatte Pelosi keine andere Wahl. Um es noch einmal zusammenzufassen: Zu Beginn der Woche meldete sich ein Whistleblo-wer besorgt darüber zu Wort, dass der Präsident sein Amt in mehreren Fällen dazu missbrauchte, um zu seinem eigenen Vorteil mit einem ausländischen Staatsoberhaupt zu kommunizieren. In einer Story, bei der sich die Handlung jedes Mal ändert, wenn Trump darüber spricht, hat er der Ukraine die Unterstützung des Kongresses verweigert, entweder, weil er sicherstellen wollte, dass Europa seinen gerechten An-teil zahlt - was keinen Sinn ergibt - oder, was wahrscheinlicher ist, weil er versuchte, die Ukraini-sche Regierung in Zusammenhang mit der Bereitstellung schädlicher In-formationen über den 2020 antretenden Präsidentschaftsbewerber Joe Biden einzu-schüchtern.

Am Mittwoch veröffentlichte das Weiße Haus mitten im Zentrum des Strudels Informa-tionen über das Telefonat. Pressesprecherin Stephanie Grisham, deren eigene Treue zur Wahrheit praktisch nicht existiert, behauptete, das Weiße Haus habe ein „Protokoll" des Telefonats zwischen dem ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky und Trump veröffentlicht, das unseren Präsidenten entlasten sollte. Natürlich gab es einige Probleme hinsichtlich der Erklärung der Pressesprecherin. Das Weiße Haus veröffentlichte kein Protokoll, sondern ein fünfseitiges Memo, das aus einem 30-minütigen Gespräch zusammengestellt wurde. Tatsächlich warnt die Titelseite des Memos davor, es als Transkript zu bezeichnen. Aber auch dieses Dokument zeigt in alarmierenden Details, wie Trump sagte: „Ich möchte, dass Sie uns einen Gefallen tun ..."

Es ist, als wäre Trump Don Corleone, der Zelensky ein Angebot unterbreitet, das er nicht ab-lehnen kann.

Der Kongressabgeordnete Adam Schiff umschrieb das Protokoll in einem Tweet mit den Worten, dass es sich „wie eine klassische Maffia-Erpressung liest: Wir tun viel für die Ukrai-ne…es kommt nicht viel zurück….ich bitte deshalb um einen Gefal-len…stellen Sie über meinen Gegner Ermittlun-gen an…meine Leute melden sich wieder…“ Trump sagte sogar, er würde seinen Consigliere Rudy Giuliani bei Bedarf in die Ukraine schicken und bot die Unterstützung des US-Generalstaatsanwalts an, um die Ermittlungen gegen Biden voranzutreiben. Man musste sich fragen, ob Giuliani einen abge-trennten Pferdekopf mit sich führen und in Zelenskys Bett stecken würde.

Es ist kaum zu glauben, dass eine Präsidentschaftsregierung Informationen veröffentlicht, die sie so schlecht aussehen ließen, aber dies wurde noch einmal überboten. Bis Mittwochmorgen hatte das Weiße Haus seine Diskussionsthemen über den jüngsten Skandal per E-Mail verschickt - nicht etwa an die Republikaner, son-dern an die Demokraten, die natürlich alles prompt twitterten. Das Weiße Haus ver-schlimmerte die eigene Dummheit, indem es den Rückruf der Email forderte.


Trumps jüngstes Fiasko zeigt der Welt erneut, was für ein Idiot unser Präsident ist. Wichtiger noch, das Memo zeigt, wie unglaublich schlecht er seine Spuren verwischen kann.

„Es wird viel über Bidens Sohn und darüber gesprochen, dass Biden die Anklage gegen ihn zum Stoppen gebracht hat. Viele Leute wollen es herausfinden, also ist alles, was Sie mit dem General-staatsanwalt gemeinsam unternehmen, großartig", sagte Trump laut des Memos zu Zelensky. Trump sagte auch: „Ich möchte, dass der Generalstaatsanwalt Sie oder Ihre Leute anruft, und ich möchte, dass Sie der Sache auf den Grund gehen. Wie Sie gestern gesehen haben, endete dieser ganze Schwachsinn mit einer sehr schlechten und inkompe-tenten Leistung eines Mannes namens Robert Mueller, aber man sagt, dass vieles mit der Ukraine begann. Es wäre deshalb sehr wichtig, dass Sie alles tun, was in Ihrer Macht steht."

Die Republikaner hoffen, dass sie Biden schwer belasten können, so wie sie es mit Hillary Clinton und ihren Emails getan haben. (Seine Fixierung auf Biden ist interessant, da viele Demokra-ten mitt-lerweile glauben, dass der alternde Achtzigjährige doch nicht der demokratische Kandidat sein könnte.) Ob dasselbe für Trump selbst gilt, ist fraglich, denn der ist nicht nur böse und krank son-dern hat außerdem den Überlebensinstinkt einer New Yorker Kanalratte.

Zwei Szenarien sind möglich: Pelosis Forderung nach einer Untersuchung für ein Amts-enthebungs-verfahren bringt alle Ratten, die ihrem Donald folgen, ins Freie, wo sie leicht zusam-mengetrieben werden können oder die Amtsenthebungsverfahrensuntersuchung explo-diert im Gesicht der De-mokraten und kostet sie die Wahl 2020. Zu diesem Zeitpunkt ist beides möglich.

Michael Zeldin, der jahrelange juristische und politische Analyst des CNN im DOJ, stellt fest, dass ein Amtsenthebungsverfahren dem Kongress mehr Befugnisse und eine stärkere Hand bei den Ermittlungen gegen Trump einräumt. „Donald Trump hat einen aus-geprägten Kampfinstinkt, daher könnte dies sehr langwierig werden", warnte er. Ein langwieriger Rechtsstreit - die Watergate-Anhörungen waren ebenfalls langwierig - ist für beide Seiten ein zweischneidiges Schwert.

Die Basis des Präsidenten wird ihn sicherlich energisch unterstützen, aber das Gleiche könnte für diejenigen gelten, die sich gegen ihn stellen. In einem so tief gespaltenen Land ist nur eins sicher, nämlich, dass ein Amtsenthebungsverfahren das Land nicht zusam-menbringen und Hände haltend „Kumbaya“ singen lassen wird.
Am Mittwochnachmittag schäumte Trump wieder über und bezeichnete diejenigen, die es wag-ten, ihn zu befragen, als „korrupt" und schwor Rache gegen diejenigen, die ihm gegenüber keine Treue zeigten. Am späten Nachmittag erschien er zu einer Pressekonferenz bei den Vereinten Nationen in New York, wo er versuchte, den Spieß in Richtung der Whistleblower umzudrehen, und behauptete, die Demokraten hätten eine neue „Hexenjagd“ entfacht. Hier sahen Reporter einen anderen Trump. Man hatte zum ersten Mal den Eindruck, dass Trump einen Riss in seiner Rüstung hat und bekam eine Vorstellung davon, wie der weitere Verlauf des Amtsenthebungsver-fahrens aussehen könnte.

Er wurde unterworfen.

Trump wiederholte viele der Themen, die das Weiße Haus versehentlich an die Demokraten ver-sendet hatte, was seine Argumente schwächer erscheinen ließ.
Trump konnte sich nicht verstecken. Er konnte es nicht verbergen. Er konnte es nicht vortäuschen. Er konnte es nicht übertreiben. Er konnte nicht einmal genug Energie aufbringen, um dagegen an-zukämpfen. Donald Trump hat Angst.

Sein Gejammer gegen die Demokraten und der neue „Hoax" konnten die Kraken nicht von seiner Tür fernhalten. Er winkte mit den Händen und fragte: „Amtsenthebung für was?" In diesem Mo-ment wurde seine Seele entblößt. Seine Unfähigkeit, das Meer zu erfassen, in dem er ertrinkt, war nie klarer.
Trump weiß wirklich nicht, warum eine Untersuchung für ein Amtsenthebungsverfah-ren durchge-führt wird. Seine Bewegungen, seine Handlungen und seine Worte ziehen ihn immer weiter runter und er versteht es nicht. Vielleicht hat er es nie getan.

Für ihn hatte er ein „perfektes“ Telefongespräch und gab das Memo von dem Anruf mit Zelensky frei, weil das Memo seine Größe und seine Unschuld zeigte. Er stand verwirrt vor den Journalisten, rezitierte 20 Minuten lang seine größten Erfolge in Bezug auf Einwanderung, Wirtschaft und China und bat die Presse, ihn zur Wirtschaft und zu seinen Aktionen bei den Vereinten Nationen zu be-fragen.

Dann machte er den Fehler, Eamon Javers von CNBC aufzurufen, damit der die erste Frage stellen konnte. Javers traf Trump mit einer Frage nach der Ukraine, seinem Telefonanruf und seiner Per-spektive zu einem US-Präsidenten, der ein ausländisches Staatsoberhaupt anruft, um um Hilfe bei einer Schmutzkampagne gegen einen politischen Rivalen zu bitten.
Trump konnte dies nicht beantworten und übergab Mike Pompeo und Steve Mnuchin das Wort, bevor er etwas zu einer Geschäftsfrage sagte, die er einem Fox-Geschäftsreporter ebenfalls nicht beantworten konnte, und schloss mit einer Frage eines venezolanischen Reporters. Dann verließ er die Bühne - nicht mit einem Knall, sondern mit einem Wimmern.

Er pusht weiterhin einen falschen Skandal um Biden, seinen Sohn und die Demokraten, mach aber keinen Fehler: Trump erkennt die Zeichen. Er stellte sich hart gegen eine Untersuchung für ein Amtsenthebungsverfahren, weil er die Nixon- und Clinton-Ära miterlebt hat und weiß, wie zeh-rend diese Bemühungen waren - und wie breit das Spektrum der Befug-nisse ist, das der Kongress bei der Suche nach Antworten haben wird.

Am späten Nachmittag berichtete Manu Raju von CNN, dass der Illinois-Abgeordnete Mike Quigley sagte, dass die Beschwerde des Whistleblowers „unsere Besorgnis verstärkt“ und dass die Be-schwerde sehr gut war. Eine Mehrheit des Hauses un-terstützte die Untersuchung für ein Amtsent-hebungsverfahren.
Und jetzt muss sich das Land der Tatsache stellen, dass unser langer nationaler Albtraum noch lan-ge nicht vorüber ist. Man kann darüber streiten, wann er begonnen hat, aber es be-steht kein Zwei-fel, dass wir unter Nachtangst leiden.

Trump kann Biden verkrüppelt haben oder nicht. Er kann sich selbst und alle anderen um ihn her-um oder in diesem Land verkrüppelt haben oder nicht. Aber er wird nicht sanft in diese gute Nacht gehen. Sein Instinkt lässt ihn immer weiter einsteigen und wie der alte Kämpfer, der nicht weiß, wann er aufhören soll, wird er weitermachen, selbst wenn er in die Knie geht.

Am Donnerstagmorgen gab sich Trump ruhig, während Pelosi versuchte, die Untersuchung für ein Amtsenthebungsverfahren auf den Whistleblower-Vorfall zu beschränken, der veröffentlicht wur-de, bevor Joseph Maguire, amtierender Direktor des Nationalen Geheim-dienstes, bei einer öffent-lichen Anhörung vor dem Geheimdienstausschuss aussag-te.

Dann kehrte Trump in seiner typischen Zirkusart ins Weiße Haus zurück. Wir haben pflichtbewusst auf dem South Lawn vor dem Oval Office gewartet. Trump verließ den Hub-schrauber und machte sich auf den Weg zu den Gratulanten außerhalb der Residenz. Die Hälfte der Presse lief die 30 Me-ter bis zum anderen Ende der Seillinie, während die andere Hälfte von uns dort blieb und einige seiner Schergen sagten: „Macht euch keine Sorgen, er kommt zurück.“
Trump verbrachte ungefähr fünf Minuten mit fröhlichem Händeschütteln, darunter war auch eine Frau mit Tränen in den Augen, bevor er sich geduckt durch die Residenz zum Oval Office bewegte und der Presse aus dem Weg ging.

Während ich ihm einen Kuss zuwarf, rief ich: „Hey, kommen Sie schon, Sie wissen, wie sehr wir Sie lieben!“ Er runzelte die Stirn.
Als er ging und sich bemühte, auf die wiederholten Fragen nach der Rechtmäßigkeit seines Tele-fongesprächs mit der Ukraine zu antworten, sah einer seiner Schergen uns an und lächelte. „Danke fürs Spie-len…"

„Ja, danke, dass Sie POTUS-Roulette gespielt haben", kicherte John Bennett von Roll Call.

In der Zwischenzeit fängt das Spiel mit der Katze, die Pelosi aus dem Sack gelassen hat, und der Krake gerade erst an.

Autor: Playboy USA

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