Me Too ist nur ein liberales Phänomen

Me Too ist nur ein liberales Phänomen

Me Too ist nur ein liberales Phänomen

Über die vollständige Symptombeseitigung, die zu einer nationalen und sexuellen Abrechnung geführt hat

von MOLLY JONG-FAST

Eine der großen Ironien des Trumpismus besteht darin, dass die Enthüllungen, die zu einer nationalen Me Too-Bewegung führten, erst ins Rollen gebracht wurden, nachdem Trump unsere Politik infiziert hatte. Man sollte eigentlich glauben, dass ein Land, das einen Mann wählt, dem sexuelle Übergriffe und Belästigungsvorwürfe vorgeworfen werden, nicht bereit wäre, sich einer weiteren kulturellen Abrechnung zu stellen, aber in den ersten beiden Oktoberwochen im Jahr 2017 - etwas weniger als ein Jahr nach den Wahlen von 2016 - hatte es keine andere Wahl. Die Berichte der New York Times und der New Yorker über Harvey Weinstein, die vor zwei Jahren veröffentlicht wurden, öffneten die Schleusen. Als nächstes folgte die Liste der „Shitty Media Men“ und zahlreiche erdbeben-artige Veränderungen in Presse, Verlagswesen, Film, Fernsehen und Musik. Vom Lockhart Steele, Redaktionsleiter der Vox Media über Mark Halperin von NBC News bis hin zu Hamilton Fish von The New Republic erkannten Hunderte von Männern zum ersten Mal die Konsequenzen ihrer toxischen Handlungen. Um die Sache noch pikanter zu machen, wurden viele dieser Männer durch Frauen ersetzt, was hocherfreulich war. Hoda Kotb ersetzte Matt Lauer, Christiane Amanpour ersetzte Charlie Rose und Tina Smith Al Franken (obwohl dies mittlerweile umstritten ist).

Man kann sagen, dass der Trumpismus die Me Too Bewegung verstärkt hat. Dass Frauen durch die Wahl von 2016 so wütend wurden, dass sie das, was sonst als kleine Belästigung in den Schatten gestellt worden wäre, in eine anhaltende Welle der Empörung verwandelten. Zweifellos unterliegt unser derzeitiges Verständnis von Sex und Macht einem Trump-katalysierter Effekt. Außerdem sind nicht alle Frauen, die sich in den letzten zwei Jahren zu Wort gemeldet haben, in die Annalen der „mutigen Frauen“ - um es in Hillary Clintons Worten zu sagen - als Heldinnen oder Löwinnen eingegangen. Ganz im Gegenteil, wie Rebecca Traister kürzlich New York Magazine schrieb: „Es wird oft nicht erkannt, dass das Risiko, wenn man sich zu Wort zu meldet, das Risiko der Belästigung wiederholt: der Druck, die Demütigungen und die Möglichkeit, dass die eigene Karriere in den Dreck gezogen wird. Natürlich variiert das Ausmaß des Schadens, der den Frau-en, die über ihre Geschichte sprechen, zugefügt wird. Dies hängt unter anderem auch von ihrer Klasse und ihrer Rasse ab. Außerdem sind nicht alle gleich stabil, wenn sie sich auf eine öffentliche und so gefährliche Diskussion einlassen. Diejenigen, die über Belästigung sprechen, werden oft von Kritikern und den Männern, die sie anklagen, als Mob und manchmal sogar von ihren Bewunderern als aufgebrachte Schwesternschaft bezeichnet.“

Bisher gibt es keine direkten Gewinner, seitdem die Bewegung, die ursprünglich von Tarana Burke gegründet wurde, um einer Randgruppe von rechtlosen Frauen eine Stimme zu verleihen, einen nationalen Meilenstein setzte. Während die Gesellschaft insgesamt und Frauen in Zukunft möglicherweise noch davon profitieren werden, scheinen die meisten Frauen, die laut Traisters Untersuchung im New York Magazine direkt beteiligt waren, auch unter dem Verlust ihrer Arbeitsplätze und unter sozialer Ausgrenzung gelitten zu haben. Somit sind die Folgen nichts weiter als eine Fortsetzung der unausgesprochenen Bedrohung, der Frauen durch die Macht und den Missbrauch der Männer ausgesetzt sind: Petzen werden verbannt und ausgestoßen.

Man hatte befürchtet, dass die Rechten die Me Too-Bewegung für ihren befremdlichen Anti-Sex-Kreuzzug nutzen würden. Dies ist nicht geschehen, weil die Rechten die Existenz sexueller Belästigung in der Wirtschaft, in der Politik und in der breiteren Kultur vehement leugnen - es sei denn, es dient ihrer karikativen Schilderungen einer heuchlerischen Hollywood-Elite. Wir leben in einer so gespaltenen Zeit, dass rechts und links so stark voneinander getrennt sind, dass wir praktisch unterschiedlichen Sauerstoff einatmen.

Ich denke oft an die weiße Frau, die ein selbst gemachtes T-Shirt mit den Worten „Trump kann meine ... - Pfeil nach unten - anfassen“ trug. Die Anschuldigungen bezüglich sexueller Übergriffe gegen den Präsidenten störten sie nicht. Es ermutigte sie vielmehr, dass sie Trump damit entlastete. Ähnliches ereignete sich bei den Anhörungen von Brett Kavanaugh vor dem Supreme Court. Die Aussage von Dr. Christine Blasey Ford hat einige Frauen wütend gemacht. Melania Trump, die Patty Hearst moderner Frauen mit Stockholm-Syndrom, erzählte Berichten zufolge ihrem Ehemann, dass Ford gelogen habe. Die Föderalistin Mollie Hemingway ging in Laura Ingrahams Show und sagte: „Das sind Leute, die sie mögen, aber sie erinnerten sich an sie ... als eine starke Trinkerin, die mit Jungen viel aggressiver war als wir glaubten." Es war nur natürlich, dass Ford danach fragte. Es war eine gewagte Verteidigung, die für das Twitter-Zeitalter neu in Gang gesetzt wurde.

Solche Frauen auf der rechten Seite sind keine Opfer von Unterdrückung. Diese Frauen sehen sich nicht als unterdrückt an, weil sie den politischen Sieg über die Gerechtigkeit stellt. Sie sind Teil ihrer eigenen Unterdrückung und Verfasserinnen von Schutzmaßnahmen für Männer, deren Raubzüge über Partei und Politik hinausgehen. Während sich die linken Wahlkreise auf die Veränderung der Arbeitskultur konzentrieren, indem sie sich gegen die Lohndiskriminierung positionieren, ist die Rechte davon überzeugt, dass Me Too ein Mythos ist. Es ist eine Kreation der Linken oder der exklusiven Provinz der liberalen Elite Hollywoods. Aus diesem Grund sind so viele Menschen des rechten Flügels wütend auf Frauen, die sich zu Wort melden. In ihrem kollektiven Denken ist systembedingte sexuelle Belästigung nicht real.

Kulturwandel ist gut, richtig und wichtig. Menschen wie Halperin und Rose wurden beschuldigt, sexuelle Belästigung wie im Lehrbuch begangen zu haben, und es ist ein Gewinn für alle, wenn sie rausgeworfen werden. Jedoch sehen wir Leute wie die konservative Fernsehpersönlichkeit Eric Bolling und Fox & Friends Co-Host Steve Doocy, die sich schnell rehabilitieren. Vergessen wir nicht die Anschuldigungen gegen Herman Cain und Newt Gingrich. Roy Moore verlor den Sitz im Senat von Alabama nur um 1,7 Prozent. Dem Präsidenten der Ver-einigten Staaten werden mehr als ein Dutzend sexuelle Übergriffe vorgeworfen.

Me Too hat das Verhalten der Männer verändert, was nötig war und absolut gut ist. Sexuelle Belästigung ist schließlich nicht dasselbe wie Sex. Die Manipulation von Frauen am Arbeitsplatz ist kein sexuelles Verhalten oder eine Folge der Sexualität. Aber was bedeutet es in unserem zerbrochenen Land, dass sexuelle Übergriffsvorwürfe von den Rechten weitgehend als übertrieben angesehen werden? Muss der Rechte nicht zur Rechenschaft gezogen werden? Für etwas?

Es ist fast so, als hätte Me Too nur die Welten der Linken beeinflusst. Deshalb ist Kavanaugh im Supreme Court. Eine ironische Ausnahme ist die endlose Misswirtschaft bei Fox News, wo die räuberischen Aktionen von Roger Ailes und Bill O’Reilly so bösartig waren, dass sie nicht ignoriert werden konnten. Das ist aber eine absolute Ausnahme. Unser Land könnte nun in der Tat in solch einer zutiefst einseitigen Weise so weitermachen. Dann werden die Linken ausgesondert und die Rechten beanspruchen Immunität. In diesem Fall besteht das nächste Phänomen in der Verbreitung einer Untergrundkultur, in der Frauen auf der rechten Seite Opfer von sexueller Belästigung, sexueller Gewalt und von Missbrauch wer-den, das jeder Kategorisierung trotzt. Sie können niemand anderem als sich selbst die Schuld geben.

Playboy US

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