Eine verblüffende Woche im Beltway und eine beschämende Verletzung der Pressefreiheit

Eine verblüffende Woche im Beltway und eine beschämende Verletzung der Pressefreiheit

Eine verblüffende Woche im Beltway und eine beschämende Verletzung der Pressefreiheit

CNN wurde nicht zu Trumps SOTU Luncheon eingeladen. Die sich daraus ergebende Stille in-nerhalb der Presse ist ebenso beunruhigend wie der Freispruch des Senats

von BRIAN KAREM

Der frühere Vizepräsident Joe Biden hat seine Präsidentschaftskampagne mit atemberaubenden Erfolgen am Super Tuesday neu aufgenommen, und niemand könnte eifersüchtiger und wütender sein als Präsident Donald Trump.

Der Präsident würde sich liebend gern in diesem warmen Schein der Akzeptanz aalen und versucht es auch verzweifelt, indem er sich mit gesundheitlichen Themen rund um das Coronavirus auseinandersetzt. Sogar seine Kritiker feuern ihn an.

„Ich möchte, dass er Erfolg hat. Ich möchte, dass die Trump-Administration ge-winnt“, sagte mir Dr. Dena Grayson. Die Reaktion der Regierung auf COVID-19 sei jedoch „total katastrophal. Ein totaler Fehlschlag.“

Dr. Grayson ist eine ehemalige demokratische Kandidatin für den Kongress in Florida. Noch wichtiger ist, dass sie bei Henry Crown am Aspen Institute Projekte zur Entwicklung von Breit-bandmedikamenten gegen tödliche Viren leitete. Sie glaubt, dass die Trump-Regierung bei ihren Versuchen, COVID-19, die durch das Coronavirus verursachte Krankheit, ein-zudämmen, schwere Fehler gemacht hat. „Wir sind absolut in der Zwickmühle", sagte sie. „Die Voraussetzungen für ein Lauffeuer und eine globale Pandemie sind damit geschaffen.“

Sie ist nicht die einzige Wissenschaftlerin, die das sagt.

Dr. Stephen L. Hoffman, CEO des Biotech-Unternehmens Sanaria, hat vor dem Kongress ausgesagt und jahrelang über sein Unternehmen versucht, einen Impfstoff gegen Malaria zu entwi-ckeln. Er sagte mir, dass er sich Sorgen über das mache, was wir nicht wissen: Wie viele Men-schen derzeit in den USA mit dem Virus herumlaufen. „Wir müssen uns vorbereiten, und wir sind es nicht", sagte er. „Es dauert 24 Stunden, um einen Fall zu bestätigen. Die Methoden sind also langsam.“

Donald Trump nimmt die Situation ernst. Letzten Mittwoch hat er etwas getan, was er noch nie zuvor getan hat: Er hat etwa eine Stunde lang Fragen von Reportern im James S. Brady Briefing Room beantwortet.

In den ersten drei Jahren seiner Amtszeit hat er den Raum gemieden, als wäre er das Coro-navirus selbst. Aber als der Aktienmarkt letzte Woche litt, schien es, dass Trumps Interesse an der Wirtschaft zur Sicherung seiner Wiederwahl ihn zwang, eine Pressekonferenz über die Reak-tion der Regierung auf das sich ausbreitende Virus abzuhalten.

Am frühen Mittwochmorgen, dem 26. Februar, teilte uns Trump in einem Tweet mit, dass er eine Pressekonferenz über das Coronavirus abhalten würde. Er erschien um 18:30 Uhr und beantwortete eine Stunde lang Fragen, darunter auch einige andere Fragen, auch von mir, die nicht mit dem Coronavirus zu tun hatten. An diesem Tag wurde auch bekannt, dass Trumps Wiederwahlkampagne die New York Times wegen einer Stellungnahme verklagt hatte, die auf bereits veröffentlichten Nachrichten basierte. Keine neuen Informationen; nur eine Mein-ung. Das Wesen des ersten Zusatzartikels zur Verfassung der Vereinigten Staaten in Hinblick auf die Meinungsfreiheit - und Trump klagte wegen Verleumdung.

Also fragte ich ihn: „Ihre Kampagne hat heute die New York Times wegen einer Stellung-nahme verklagt ..."

„Yeah,” sagte Trump.

„Ist es Ihre Meinung oder ist es eine Behauptung, dass Menschen, die Ihrer Meinung wid-ersprechen, verklagt werden sollten?"

„Nun", sagte Trump. „Wenn sie die Meinung völlig falsch verstehen, wie es die New York Times getan hat, und ehrlich gesagt, haben sie in den letzten Jahren viel falsch verstanden. Also werden wir sehen, wie das ... durch die Gerichte geht."

Ich hörte zu, musste dem aber nachgehen. „Aber das ist eine Meinung, oder?"

„Nein. Nein“, sagte Trump. „Wenn Sie es lesen, werden Sie sehen, dass es über eine Meinung hinausgeht. Das ist keine Meinung. Das ist viel mehr als eine Meinung. Sie haben etwas sehr Schlechtes gemacht. Und es wird noch mehr geben.“ Er sagte, dass er zusätzliche Klagen einzureichen möchte. „Es wird noch mehr kommen.“ Ungefähr eine Woche später verklagte er die Washington Post wegen derselben Sa-che.

Trumps Ekel gegenüber der Presse ist bekannt und seine Drohungen, Meinungen zu verkla-gen, die von seiner eigenen abweichen, zeigen, wie er sich im Umgang mit dem Coronavirus selbst behindert. Es hat nicht geholfen, dass Trump, Vizepräsident Pence, Rush Limbaugh und der gesamte Propaganda-Apparat des Trump Teams vorgaben, dass Journalisten in Bezug auf das Coronavirus übertrieben, um den Präsidenten schlecht aussehen zu lassen. Außerdem haben wir versucht, die Märkte herunterzufahren, und Donald Trump Jr. sagte, die Demokraten wollten, dass Millionen an dem Virus sterben.

Die Arbeitsgruppe CDC, die von der Trump-Administration mit der Bekämpfung von COVID-19 beauftragt wurde, sieht sich damit konfrontiert, einen isolierten und unsicheren Präsidenten zu beschwichtigen, der klagt, wenn man eine gegenteilige Meinung hat, während er gleichzeitig versucht, realistisch mit einer gefährlichen Bedrohung der öffentlichen Gesundheit umzugehen. Da Trump die Wissenschaft nicht kennt, ist es schwierig, Informationen herauszubekommen.

Der Gesundheits- und Sozialminister Alex Azar traf sich am 28. Februar im South Court Auditorium des Eisenhower Executive Office Building mit etwa 50 Journalisten und informierte uns über das Coronavirus. Der Aktienmarkt stürzte an diesem Tag immer noch und in den Vereinigten Staaten war die erste Person am Coronavirus gestorben. In diesem Wirbel bat Sekretär Azar die versammelten Journalisten, die Öffentlichkeit darüber zu informieren, dass man sich die Hände zu waschen hatte.

Ich hatte eine Frage. „Die Weltgesundheitsorganisation sagte heute, dass das Risiko einer Ausbreitung von COVID-19„ sehr hoch“ sei. Ich habe auch Berichte gelesen, nach denen 50 bis 70 Prozent der Weltbevölkerung infiziert werden könnten und dass dabei die Sterberate bei 2 Prozent liege. Es könnten also Hunderte Millionen Menschen in diesem Land infiziert werden und Millionen sterben“, sagte ich. „Wie beurteilen Sie die Richtigkeit dieser Berichte? Und wenn nur halbwegs genau ist, was wir heute gehört haben, wie bereiten wir dann die Krankenhäuser und Kliniken vor, um uns auf eine solche Krank-heitsüberflutung vorzubereiten? "

Azars Antwort war nicht besonders tröstlich, aber beim Lesen zwischen den Zeilen war sie informativ. „Ich habe diese Berichte über die Projektion von 70-Prozent gesehen. Das haben wir bisher nicht erlebt“, sagte er uns. „In Bezug auf Todesfälle… außerhalb der Provinz Hubei waren es, soweit ich weiss, ungefähr 0,7 Prozent, wurde berichtet. Was wir nicht wissen, ist, wie die Anzahl der Todesfälle in einem weit fortgeschrit-teneren öffentlichen Gesundheitssystem aussehen wird, das frühzeitig versucht, das Virus einzudämmen und zu mindern, ganz im Gegensatz zu China, wo eher eine Aufholjagd stattfindet.“

Azar sagte, mann könne von einer Infektionsrate von 30 Prozent ausgehen, was das Corona-virus in den USA noch aggressiver und mit einer zu erwartenden Sterberate von 0,7 Prozent siebenmal tödlicher als die saisonale Grippe macht - und dies waren konservative Schätzungen.

Reporter verließen das Briefing mit Azar mit der Erkenntnis: Sie haben es nicht im Griff. Unter anderem gaben Azar und seine Abgeordneten zu, dass es unzureichende Tests gegeben hatte und dass Kliniken und Krankenhäuser im Bedarfsfall kaum oder gar nicht finanziert wurden.

Am Samstag, dem 29. Februar erschien Präsident Trump zum zweiten Mal im Besprechungs-raum und versuchte, der Wählerschaft wie Kevin Bacon in Animal House (dt: Ich glaub, mich tritt ein Pferd) zu versichern, dass „alles in Ordnung ist!“. Nur sah Trump nicht so gut aus und viele wunderten sich über seine Gesundheit. Am vergangenen Montag auf dem Südrasen fragte ich ihn, wann er seine jährliche Untersuchung beenden würde, die er angeblich im November begonnen hatte. Er gab uns ein Fenster von 90 Tagen.

Der Markt erholte sich am Montag, und so übergab Trump das Briefing an Pence, der zu seinem ersten Briefing im Brady Briefing Room mit der Coronavirus Arbeitsgruppe erschien. Pence schien nervös zu sein und sah nie auf, als er Journalisten über eine geschriebene Liste aufforderte, ihm Fragen zu stellen. Er forderte sogar einen Journalisten auf, der gar nicht anwes-end war. Als die Arbeitsgruppe darüber sprach, wie sie eine Million Menschen testen würden, war das meine Gelegenheit, um nachzuhaken.

„Ich fass nur mal kurz zusammen: Sie haben gesagt, dass das Risiko gering ist. Aber wie können wir bei so wenigen durchgeführten Tests und einer Inkubationszeit von einem Tag bis zwei Wochen zu diesem Zeitpunkt genau sagen, dass das Risiko gering ist?“

Pence sah sich am Rednerpult um, um die Frage zu beantworten. „Wer möchte darauf antworten?" Er fragte einige Mitglieder der Arbeitsgruppe.

Wir warteten einen Moment. „Irgendjemand?" Ich fragte.

Dr. Anthony Fauci, der für Pence offensichtlich bereits in Talkshows am Sonntag eing-esprungen war, trat vor, um einen Erklärungsversuch zu starten. „Wenn Sie über das ganze Land sprechen… ist das Risiko ein geringes Risiko. Ich denke, der Punkt, den Sie ansprechen, ist, dass wir nicht wissen können, ob das Risiko gering ist, da wir die Tests in den Gemeinden noch nicht abgeschlossen haben. Dies wird aber sehr bald geschehen. Ich gehe davon aus, dass es trotzdem niedrig sein wird. In Echtzeit, und das ist der Grund, dass wir dies so häufig tun, können sich die Dinge jedoch ändern. Aber heute, an diesem Tag, Montag, ist das Risiko gering, wenn man das ganze Land betrachtet.“

Mit anderen Worten war das wahrgenommene Risiko an einem Tag Anfang März, an dem landesweit nur wenig Tests durchgeführt wurden, gering. Keine wirklich beruhigende Aus-sage. Aber das Beste, was der Präsident tun kann, wenn er so unsicher ist, besteht wohl da-rin, Menschen wegen gegenteiliger Meinungen zu verklagen.

Pence, der die Bemühungen zur Eindämmung der Virusflut koordiniert, hat andere Probleme. Der größte Teil der in Krankenhäusern verwendeten Schutzausrüstungen wird in China hergestellt. „Selbst bei einem leichten Ausbruch haben wir möglicherweise nicht ausreichend Schutzkleidung", warnt Dr. Grayson. „Wir müssen unsere Kleidung reinigen oder einen Weg finden, sie selbst herzustel-len."

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