Barcelona eröffnet ein Zentrum gegen toxische Männlichkeit

Barcelona eröffnet ein Zentrum gegen toxische Männlichkeit

Barcelona eröffnet ein Zentrum gegen toxische Männlichkeit

In der katalanischen Metropole Barcelona hat das "Plural – Centre de Masculinitats" (dt. "Zentrum für Maskulinitäten") eröffnet. Das Ziel des Instituts: Toxischer Männlichkeit den Kampf ansagen! Wie das gelingen soll und warum es das überhaupt braucht, lesen Sie hier …

Spanien ist, zumindest aus sprachlicher Sicht, Heimat des Machos. Denn das spanische Adjektiv "macho" bedeutet im Deutschen so viel wie "männlich". Assoziiert werden mit der Bezeichnung vor allem Stärke, Härte, Gefühlskälte und zahlreiche amouröse Abenteuer – also all die Eigenschaften, die der Mann auf dem Titelbild unseres Artikel zu verkörpern scheint. Ein Bild und ein Narrativ von Männlichkeit, das heute zwar längst als überholt gilt, sich aber dennoch hartnäckig in der Gesellschaft hält. Dagegen soll nun etwas getan werden – und zwar im "Plural – Centre de Masculinitats".

Zentrum gegen toxische Männlichkeit: Worum geht es dabei?

Das Zentrum in Barcelona steht für ein diverses Bild von Männlichkeit, setzt sich gegen strikte binäre Geschlechter-Strukturen und vor allem gegen toxische Männlichkeit ein. "Es ist ein Ort, an dem ohne Tabus über Sexualität gesprochen wird – ein Ort, an dem Männlichkeit erforscht wird und werden kann", so Laura Pérez, Verantwortliche des Projekts sowie Stadträtin von Barcelona für Feminismus und LGBTI.

Warum es so ein Zentrum überhaupt braucht? Pérez: "Es hat alles damit zu tun, wie Jungen zu Männern erzogen werden. Es heißt immer: Männer müssen Helden sein, dürfen keine Angst haben, weinen nicht. Dies lässt die vielen verschiedenen Versionen von Männlichkeit, die möglich sind, nicht zu."

Wie wird überholten Männlichkeitsbildern der Kampf angesagt?

Die wichtigste Tätigkeit des "Plural" besteht aus Öffentlichkeitsarbeit. Durch Ausstellungen und Veranstaltungen in Museen, Bibliotheken und anderen Kultureinrichtungen soll die Debatte um Männlichkeit angestoßen und in die Öffentlichkeit getragen werden.

Auch in Schulen und Sportvereinen soll das Zentrum aktiv werden und so vor allem junge Menschen mit ihren Projekten erreichen. Denn vor allem im Bereich der Sexualerziehung und der Geschlechtsidentität sieht Pérez großen Aufklärungsbedarf: "Es wird tabuisiert, über Sex zu sprechen, aber gleichzeitig haben wir über das Internet Zugang zu jeder Art von sexueller Aktivität. "Der einzige Zugang junger Menschen zur Sexualerziehung ist über Pornografie und das ist sehr gefährlich."

Neben der Öffentlichkeitsarbeit bietet das "Plural" individuelle Diskussions- und Gesprächsrunden an. Diese zu organisieren, ist die Aufgabe der zehn Mitarbeiter vor Ort.

Autor: Julia Haase

Weitere Inhalte